Ach, Rapunzel, The times they are a-changing . . .

Die Zeiten werden rasch verändert, sie ändern sich nicht selbst. . .

Früher – darf man noch „früher“ sagen? – früher z.B. da gab es in Deutschland noch Schriftsteller, also aus welchen Gründen auch immer „anerkannte“ Schriftsteller, deren Bücher gekauft und auch in der Schule gelesen wurden, die jeder zumindest vom Hörensagen kannte, die auch hin und wieder – damals noch nicht so gesteuert und propagandistisch wie heute – im Fernsehen und in den Zeitungen auftauchten und – man höre und staune – IHRE STIMME ERHOBEN.
Man nannte das dann allgemein: MORALISCHE INSTANZ.

Ein solcher Schriftsteller war der Kölner Autor Heinrich Böll, manche kennen ihn vielleicht noch. Böll war alles andere als eine Geistesgröße, Böll war alles andere als ein begnadeter Schriftsteller, von der Bezeichnung „Dichter“ gar nicht zu reden.
Er hatte keinerlei „Durchblick“ weder historisch noch damals aktuell gesellschaftlich, aber immerhin, er hat versucht, was in seinen Kräften stand und ist zumindest für seine Verhältnisse „forsch“ gegen den Katholikenklüngel in Köln vorgegangen.
Um die unglaubliche Begrenztheit klarzustellen: es ging ihm um die „Reformation“ des Filzes und der Korruption innerhalb der katholischen Kirche, auch noch beschränkt auf den Kölner Clan.
Gar nicht daran zu denken, daß er den Chef, also den sogen. Papst ernsthaft kritisiert hätte, von der viel, viel wichtigeren Stufe höher, der Bloßstellung der Verbrechen des sogen. Christentums in den 2000 Jahren seines Bestehens ( nun, den Begriff gibt es ja erst seit etwa 1500 Jahren und mit Jesus hat er bekanntlich NICHTS zu tun ) ganz zu schweigen, auch ganz zu schweigen von der dauerhaften Besetzung Deutschlands und und und.
Kurz: Böll war ein sehr beschränkter Geist und erhob seine Stimme lediglich bei und zu ohnehin klaren Ereignissen wie z.B. der Stationierung, also der ZUSÄTZLICHEN STATIONIERUNG neuer amerikanischer Raketen, wobei die Tatsache, daß die USSA ausgerechnet in der BRD überhaupt Raketen stationieren und Truppen stationiert haben dürfen, schon wieder weit, weit den Begriffs- und Fragehorizont Bölls überstiegen hätte.
Nun denn, wenn er seinen Mund auftat, wurde er zumindest gehört, das Fernsehen, das damals noch aus ARD, ZDF und den Dritten bestand, war eh in Köln stationiert und lieh ihm eins seiner Ohren..

Was ich sagen und klarmachen wollte: damals empfanden das alle als normal, damals gab es das noch, damals gab es noch so rudimentäre Schriftsteller und damals wäre im Traum niemand auf die Idee gekommen, solche eh harmlosen Menschen womöglich noch zu boykottieren ( „Kauft keine Bücher mehr von Böll“ oder so ) geschweige ihnen den Mund zu verbieten.
Damals war das Fernsehen logischerweise schon Regierungsfernsehen und logischerweise auch Besatzerfernsehen, aber sowohl Besatzer als auch die Regierung gönnten sich den Luxus, sich hin und wieder, ein- bis zweimal im Jahr vielleicht, manchmal auch weniger, kritisieren zu lassen.
Solche „Kritik“ schlug auch keine großen Wellen, aufgeklärte Deutschlehrer besprachen das im Unterricht und FAZ und SZ druckten das sogar auf den ersten Seiten.
Daß solch ein Sturm im Wasserglas keinerlei Folgen hatte, gehörte zum Ritual und war normal, aber die wenigen „Kritiker“ hatten ihr jährliches oder halbjährliches Fressen und konnten sich wieder für diese Zeit auf die faule Haut legen: schaut her, unsere Demokratie funktioniert doch noch, wie schön – und Kritik ist auch noch möglich, toll, was wollen wir mehr!

Heute sind wir davon meilenweit, vielleicht sogar Lichtjahre weit entfernt.
Heute gibt es weit & breit keinerlei „moralische Instanzen“ mehr, weder als Schriftsteller, noch als Philosoph ( das schon gar nicht, da gab es nur so Zwerge wie Herrn Precht ) und Politiker als „moralische Instanz“ ist gar ein Widerspruch in sich. . .
Heute gibt es nicht einmal mehr irgendeinen Provinzschriftsteller,
heute gibt es statt dessen Bundesliga und 2. und 3. Liga usw. – ich kenne mich da nicht aus, jedenfalls kritisieren die niemals die Regierung, die kommen ja eh meist aus Afrika, was interessiert die mehr als dieser „runde Ball“, den sie schon seit sie laufen konnten in Afrika getreten haben.
Heute gibt es auch nichts Vergleichbares mehr, was diesem Provinzschriftsteller, der als Deutschlands bedeutendster Schriftsteller gehandelt wurde, gleichkäme, weil Deutschland eben damals schon nichts mehr als Provinzielles im Bereich der Literatur zu bieten hatte.
Heute hat es nicht einmal das zu bieten, dieses Deutschland, zum Glück für Regierung und Besatzer, egal ob aus dem Vatikan oder den USSA, das bleibt sich gleich und ergänzt sich allenfalls und findet sich in Israel eh wieder zusammen. . .

Heute gibt es – nicht statt dessen – sondern ausnahmsweise und hin und wieder keine Provinzschriftsteller, sondern engagierte, fähige mittelständische Unternehmer, die sich unter den Begriffen ökologisch, natürlich, biodynamisch, fair, kurze Wege usw. finden lassen und danach zu handeln versuchen.Apropos „kurze Wege“ – hier ist nun interessant, wie diese Wege der Kritik, wenn wir sie so nennen wollen, vonstatten gehen.

Ein Herr Böll konnte noch seine zweifelhafte, zaghafte, sanfte Stimme erheben und konnte sicher sein, am selben Abend noch von der Tagesschau zitiert und ausgestrahlt zu werden.
Heute sieht das völlig anders aus und es wirft einen Flutlichtscheinwerfer auf dieses Deutschland und seine Verfassung.
Nicht die juristische, die es nicht einmal hat, sondern die allgemeine.
Wenn niemand irgendetwas mehr zu kritisieren wagt und dann aufgrund des Fehlens solcher kritischer Stimmen ausgerechnet so ein Unternehmer wie der Herr Joseph Wilhelm, der sehr sehr gesundet Naturprodukte in seiner Firma „Rapunzel“ herstellen läßt, sich kritisch äußert, dann ist da nicht wie bei Heinrich Böll sofort das TV Team vor Ort, nein, dann hat dieser Mann „gar keine Stimme“, denn eine Stimme hat man bekanntlich nur, wenn man über viele Medien, seien es Zeitungen oder Fernsehen zu den Menschen sprechen kann.

Das ist bei Kritikern, also bei Freunden und Verkündern der Wahrheit, schon lange nicht mehr der Fall.
Statt der Massenmedien kümmern sich in einem solchen, neueren Fall ( im Unterschied zu „früher“ ) irgendwelche – in der DDR hätte man gesagt Stasiorgane um den „Fall“.
Wie man diese Organe im heutigen Deutschland nennt – keine Ahnung, sie bleiben eh unerkannt im Untergrund.
Diese, in der DDR Stasiorgane genannten Institutionen reichen nun diese Kritik des Unternehmers weiter, nicht um sie viel viel zu spät doch noch zu veröffentlichen , nein, im Gegenteil, sie geben sie an „dunkle Kanäle“ weiter, die dafür sorgen, daß auch dieser Unternehmer nicht nur mundtot gemacht wird, das wäre schon schlimm genug, nein, sie s o r g e n dafür, daß seine Produkte boykottiert werden, was logischerweise zur Folge hat, daß seine Firma darunter leidet, dafür, daß er einmal oder zweimal seinen Mund aufgemacht und erzählt hat, was er denkt und daß am Ende er Menschen entlassen muß, die jahrelang, Jahrzehnte lang bei ihm gearbeitet haben und zuhause Frau und Kinder haben . . . .

Das versteht man heute in diesem Deutschland unter Demokratie, auch wenn selbst die Regierung und die Bundeskanzlerdarstellerin diesen Begriff absichtlich in vollem Bewußtsein, daß es reine Ironie ist, ge- und mißbrauchen.
Sie lieben es eben, das Volk größtmöglich und flächendeckend tagtäglich in Grund und Boden zu verhöhnen – auch wenn dieses Volk ihr weiter aus der Hand frißt und diese überdeutliche Ironie als bitteren Ernst begreift.
Ja, the times they are a-changing – damals wie heute.

Think about it.

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