Alle Wege führen nach Rom, aber dort ist nichts zu finden. . . Ein kleiner, nachdenklicher Nachtrag zum vorherigen Swissartblog in Form einer Allegorie

Diese kleine, spontan während des Schreibens ausgedachte, vorher nur leicht vorstrukturierte „Geschichte“ setzt voraus, daß der Leser oder die Leserin 😉 zumindest einige meiner 115 Blogs gelesen ( und verstanden ) hat, zumindest aber den letzten vom 30 Jährigen Krieg.

Man stelle sich also irgendeine völlig unwegsame, abgelegene Gegend vor, landschaftlich absolut unattraktiv, einsam, unwirtlich für uns Menschen. Hier und da mag das eine und oder andere Tier herumstrolchen und meist vergeblich nach Nahrung suchen.
Von weitem hören wir menschliche Geräusche aus dem Bereich des Leidens, also Schmerzgeräusche.
Wir kommen vorsichtig näher und sehen einen Mann, wie er sich tatsächlich geißelt, also so heftig, daß es blutet.
Überhaupt sieht dieser Mann nicht gerade gepflegt, ganz im Gegenteil, auch nicht gesund und schon gar nicht glücklich aus, das am allerwenigsten.
Insgesamt macht er einen eher kranken, apathischen Eindruck.
Wir fragen ihn nach seinem Namen und was er hier mache, ob man ihm vielleicht helfen könne.
Der Mann sieht erstaunt und erschrocken auf, er scheint schon sehr lange keine anderen Menschen zu Gesicht bekommen zu haben, dementsprechend unbeholfen, ja fast schon unverständlich ist seine Sprache.
Er lebe schon sein ganzes Leben dort, jedenfalls so lange er sich zurückerinnern kann.
Sein Alter schätzt er selbst auf 40 Jahre – unter uns gesagt sieht er eher wie 60 oder 70 aus. Nun denn, das Leben dort scheint hart zu sein. . . .

Was er hier mache, nun, er suche nach Gold. Genau war das nicht auszumachen, denn er konnte auch Gott gemeint haben.
Beides schien möglich, beides irgendwie aber auch gleichzeitig unverständlich – in so einer unwirtlichen Gegend.

Ob er denn schon einmal etwas, also Gold oder Gott dort gefunden habe wollen wir natürlich wissen.
Er schaut uns ganz ungläubig und verwirrt an, so als hätte er noch niemals so eine Frage gehört und sich selbige auch noch nie zuvor selbst gestellt.
Nein, er habe noch nicht ein einziges Körnchen Gold dort gefunden ist seine Antwort nach langem Überlegen.
Ja, warum suche er denn ausgerechnet dort nach Gold oder Gott wollen wir wissen, schließlich gibt es weitaus schönere, bessere, wirtlichere Orte, wo man tatsächlich schon beides gefunden habe: Gold und Gott.

Nun, man habe ihm gesagt, daß genau an diesem Ort eine Goldader sich befände, das sei uraltes Wissen, er verlasse sich darauf.
Wie lange denn dieses Wissen zurückginge wollen wir nun wissen.
Soweit er sich erinnern kann, sei ihm erzählt worden, daß diese Berichte über die dort sich befindliche Goldader etwa 2000 Jahre alt seien, so alt seien die Überlieferungen, auf die er vollkommen vertraue.
Nun, dann seien sicher früher und innerhalb dieser 2000 Jahre sicher schon große Mengen von Gold dort geschürft oder ausgegraben worden vermuten wir.
Nein, nein, hören wir ihn einwenden, es sei in den 2000 Jahren noch kein einziges Körnchen Gold gefunden oder zutage gebracht worden, aber man sagt eben, daß eines Tages gewissen Menschen dort sowohl Gott als auch Gold erscheinen würde.

Das verstehen wir nun gar nicht: Sie leben ihr ganzes Leben also hier an diesem – entschuldigen Sie bitte – fürchterlichen Ort, haben noch kein Körnchen Gold und keinen Hinweis auf Gott gefunden und sagen nun, daß seit 2000 Jahren, also seit Bestehen dieser Schriften von denen Sie reden, noch gar kein Körnchen Gold und kein Hinweis auf einen bestimmten Gott gefunden wurden? Ist das richtig?

Etwas verstört schaut uns der Mann an, so genau hatte er sich die Sache selbst noch gar nicht überlegt und vor Augen geführt, aber er hat eine Erklärung dafür.
Schauen Sie, sagt er, Sie haben meine unterdrückten Schreie gehört und zufällig gesehen, wie ich mich selbst geschlagen, gegeißelt habe und Sie sehen, in welcher Verfassung mein Körper und mein Geist sind.
Nun, gerade weil in diesen 2000 Jahren noch keine einziges Körnchen Gold zutage getreten ist, geißle ich mich ich mich fortwährend, das ist eine Art Ritual für diesen Gott, den ich noch nicht gefunden habe, aber ebenfalls mein Leben lang suche und den niemand in den 2000 Jahren bislang gefunden hat.

Wie soll das gehen, das verstehen wir nicht entgegnen wir.
Nun, die Sache ist so versucht er uns das unsinnig Erscheinende zu erklären.
Es stimmt, es sind weder Gold noch Gott gefunden worden. Diese Schriften sagen uns aber, daß wir all unsere Bedürfnisse, all unsere Wünsche und Sehnsüchte ablegen und ein frommes Leben führen müssen, erst dann werden sowohl Gott als auch Gold erscheinen bzw. zu finden sein.

Allmählich schwant uns der ganze furchtbare Abgrund und Hintergrund des grenzenlosen Elends dieses armen Mannes.
Er hat anfangs nur von dieser Geschichte gehört, hat sich dann auf die Suche gemacht und offenbar endlos nach beidem gesucht, nach dem Gold und dem versprochenen Gott oder göttlichen Wesen.
Diese Suche hat ihn ganz offensichtlich an die Grenzen seiner Kraft, seines Verstandes und all seiner Hoffnungen gebracht.
Er konnte aber nicht den an sich logischen Schritt gehen, einzusehen, daß die ganze Geschichte komplett falsch sein muß, er am komplett falschen Ort gesucht, gegraben und geschürft hat, auch wenn es der einzige in den Schriften überlieferte Ort war und ist und demzufolge tatsächlich die gesamten Schriften falsch sein müssen – das wollte und konnte er sich, nachdem er sein halbes Leben dort zugebracht hatte, er vor sich und der Welt nicht zugeben, es hätte ihn in ein zu tiefes „Loch“ geworfen.
Daß das „Loch“, in das er sich nun selbst gegraben hatte, noch viel viel schlimmer, schrecklicher und unausweichlicher ist und er dort gar nicht mehr aus eigener Kraft herausfinden könne – was er nach eigenem Bekunden wohl auch gar nicht wolle – vom Können einmal ganz abgesehen, schien ihm gar nicht so klar zu sein in seiner völligen offensichtlichen Verblendung.
Nein, der einzige Grund, warum er bislang weder Gott noch Gold gefunden habe, liege einzig darin, daß er sich selbst noch nicht stark genug gemartert und gegeißelt habe, daß er noch mit zu vielen kleinen, winzigen Fäden an dieser Welt hänge, daß er immer noch an den unzähligen Schönheiten dieser Welt an all dem Angenehmen hänge, zumindest ein wenig noch.
Würde er sich ganz davon befreien können, so sei er sich ganz sicher, würde augenblicklich das Gesuchte, also beides, Gott und das Gold auftauchen und sich ihm offenbaren.

Und überhaupt, vielleicht liege der wesentliche Grund, daß ihm bislang weder Gott oder etwas Göttliches erscheinen sei noch daß er auch nur ein Körnchen Gold gefunden habe, darin, daß er sündig sei oder gesündigt habe.
Aber bitte, entgegnen wir: wie soll denn das überhaupt möglich sein – abgesehen von der seltsamen Vorstellung dessen, was überhaupt sei „Sünde“ sei und wer das nun schon wieder vorgebe, respektive erfunden habe – wie bitte solle er überhaupt die Möglichkeit haben, in dieser trost- und seelenlosen Einöde so etwas wie ein „Sünde“ zu begehen.
Ja, das habe er sich auch schon oft gefragt, aber vielleicht seien es ja auch einfach seine Gedanken, die oder in denen er gesündigt haben könnte, denn das oder Ähnliches stehe ja – so glaube er sich zu erinnern – auch in den erwähnten uralten Schriften.
Sicher sei er sich da aber auch nicht, schließlich könne er ja auch gar nichts für seine Gedanken und wer habe sie ihm wohl geschickt und wie solle er sie wegschicken und wie beurteilen, also habe er irgendwann angefangen, sich auch wegen oder für all seine Gedanken zu geißeln. zu hassen und zu martern, was aber leider seine Gedanken auch nicht zum Verschwinden gebracht hätte, also hätte er mit der Selbstkasteiung weitergemacht . . .

Aber bitte, versuchen wir ihm klar zu machen: wenn Sie noch weiter sich geißeln, noch entbehrungs“reicher“ und erbärmlicher leben und noch weniger essen, dann werden Sie sterben bzw. gestorben sein, wenn das, was Sie sich von all der Askese und all dem Selbsthass versprechen, eintreten wird – woran wir nach wie vor extrem zweifeln, denn warum sollte etwas plötzlich eintreten, was seit Beginn dieser seltsamen, merkwürdigen Schriften, also seit 2000 Jahren nicht eingetreten ist.
Er schaute uns merkwürdig an und entgegnete dann schließlich nach langem Überlegen und In Sich Gehen, ja, das sei wohl so, aber das sei ihm die Sache wert, schließlich könne er jetzt eh nicht mehr zurück . . .

Wir empfanden tiefes Mitgefühl und irgendwie auch Trauer über diesen einst sicher gesunden, blühenden Menschen, der sein gesamtes Leben für eine nicht existierende Idee dahingeworfen hat und sich somit zutiefst an der göttlichen Schöpfung versündigt hat . . .

Leider ereignet sich genau diese Geschichte in tausendfachen realen Formen seit den 2000 Jahren, wo der römische Caesar seinen Schreibern den Auftrag gab, eine Gegengeschichte zum Alten Testament zu schreiben, nur diesmal über eine Hauptperson, die statt zu kämpfen, statt sich zu verwirklichen und nach dem Willen der Schöpfer der Menschen zu leben und zu ihrer Freude und ihrem Ruhm allem Weltlichen zu entsagen, dem Kaiser stumm zu geben, was er verlangt, so selbstlos zu sein, daß er sich nicht einmal gegen seine Feinde zu wehren weiß, im Gegenteil seine linke Wange hinzuhalten, wenn die Feinde sein rechte schon zerschlagen haben und als Belohnung, wenn man seinen Ideen folgt, ihm alle Sünden abzunehmen verspricht und ein ewiges Leben – nur mußten wir stutzen: angenommen, das, was ja nur als Satire geschrieben wurde, sei wahr, einfach nur einmal angenommen: wie sähe das Leben nach dem erbärmlichen zerstörten Leben dieses in sich gebrochenen, in sich ausgelaugten, von innen und aussen letztlich selbst vergifteten Mannes aus, wenn er denn nach seinem gotterbärmlichen Leben von irgendeinem Gott wieder zu neuem Leben erweckt würde?
Das ginge ja dann immer nur endlos weiter mit all dem Elend.

Wenn er hier auf Erden das göttliche Leben für eine fixe, vollkommen unsinnige Idee hinweggeworfen und verschmäht hat, wie um alles in der Welt soll aus einem Wrack, wie soll aus einem aus eigenem Entschluß zudem noch vertrockneten Baum neues Leben sprießen . . . ?

Armes Christentum, arme Christen . . . bejaht das Leben solange ihr noch könnt, findet vor allem zurück in dieses göttliche Leben, in dieses wundervollste Geschenk unserer echten (!!) Schöpferinnen und Schöpfer!!

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