Eine kleine Geschichte des Klimawandels und des menschengemachten Blattsterbens, erzählt von einem, der den ganzen Spuk überlebt hat. . .

In einer lang zurück oder gar noch vor uns liegenden jedenfalls recht chaotischen Zeitphase, manche noch verbliebenen klugen Köpfe wagten gar von einer Endzeit zu sprechen, jedenfalls war es eine Zeit, in der zumindest der zuvor noch am weitesten entwickelte weisse Teil dieser Menschheit, in dieser Zeit ereigneten sich gar seltsam anmutende Dinge.

So war man aus mittlerweile unerfindlichen Gründen, vielleicht waren es auch eine Reihe sogen. „Zufälle“, dazu übergegangen, die sogen. „Politiker“ oder „Führer“ ausschließlich aus jenem Teil dieser weissen Masse zu rekrutieren, die weder ein Studium noch gar einen ordentlichen oder unordentlichen Berufsabschluss aufweisen konnten.

In Anlehnung an frühere Zeiten, als dies noch nicht so war, also aus reiner Gewohnheit und weil sie die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt zu haben schienen, gaben einige dieser sogen. Politiker gar noch vor, einen Doktortitel zu haben.

In allen Fällen stellte sich dann aber jedes Mal heraus, daß es sich dabei um eine Fälschung, um eine Art Plagiat handelte, was diese Politiker dann jeweils umso mehr irritierte, mitunter sogar zum Rücktritt zwang, letztlich natürlich auch, weil ja schon die Andeutung eines solchen Titels – erschlichen oder tatsächlich abgelegt – annehmen ließ, sie hätten tatsächlich ein Studium zu Ende gebracht, was ja zu diesen Zeiten ein sogen. „No Go“ darstellte.

Die wenigen Politiker, die noch zu Resten von Selbstreflexion fähig oder willens waren, litten hin und wieder darunter, vollkommen sinnlosen Tätigkeiten nachzugehen, vollkommen sinnlos erscheinende Befehle von höheren Instanzen, höher, weitaus höher als diese „Führer“, Kanzler oder gar Präsidenten auszuführen und auszuführen gezwungen zu sein und sannen in besonders innigen und melancholischen Momenten darüber nach, ob es nicht doch noch irgendetwas wenigstens geben könnte, wodurch sie sich hervortun, sich ein wenn auch winzig kleines Denkmal setzen konnten, eine Art winzigem Fußabdruck, der der Nachwelt zumindest den Hauch einer Erinnerung geben konnte, daß da irgendwann mal jemand gewesen sei. . . .

Ausgerechnet im eh melancholischen Monat November war es, da saß so ein Politiker eines schönen Nachmittags in irgendeinem Park in irgendeiner Stadt auf irgendeiner Bank und sah die sich längst goldgelb verfärbten Bäume an und geriet ins Grübeln.

Just in dem Moment fiel so ein kleines gelbes Blatt in seinen Schoß und brachte ihm die alles erhellende, geradezu epochale Idee:

Was, wenn all dies gar nicht natürlich wäre, also dieses überaus traurige , Wehmut erzeugende Blättersterben. Was, wenn gar nicht Mutter Natur, sondern wenn er selbst und all die anderen Menschen Schuld daran trügen, daß jedes Jahr zu genau dieser Zeit sich dieses grausame Schauspiel, an dessen Ende alle Bäume splitternackt und blattlos dastünden und einen gar grausigen, bemitleidenswerten Anblick böten und das über viele, viele Monate.

Was also, wenn das alles völlig unnatürlich wäre und dieser Prozeß des Verfärbend und schliesslich des grausamen Abwerfen all der Unmengen an Laub menschengemacht wäre oder wenn gar die Industrie mit daran Schuld wäre.

Plötzlich wurde es taghell im Kopfe unseres Politikers auf der Parkbank.

Er fand seine Überlegungen plötzlich vollkommen einleuchtend und logisch, ereiferte sich um seines Einfallsreichtums und glaubte gar, den Stein oder zumindest das Blatt der Weisen gefunden zu haben.

Schnell ließ der eben noch nachdenklich melancholische Nachdenker über sein Smartphone seinen Dienstwagen plus Chauffeur kommen, um ihn abzuholen, um noch im Fond des Wagens spontan eine Konferenz mit seinem Beraterstab einzuberufen.

Um es kurz zu machen: die Idee mit dem menschengemachten Blättersterben schlug – wie man es früher sagte – ein wie eine Bombe, eine Kampagne wurde aufgestellt, Mitstreiter gesucht und instruiert und noch ehe das letzte Blatt von den Bäumen gefallen war, waren auch die Redaktionsstuben, Schulen, TV-Sender, Hochschulen usw. instruiert und sehr schnell auf die Seite jenes wirklich klugen, ja fast genialen Politikers und seiner Blättersterben-Idee gebracht.

Man hatte sich darauf geeinigt, daß zum größten Teil die Industrie mit all ihren Produkten schuld am überall sichtbaren und epidemieartig um sich greifenden Blättersterben schuld sei, in erster Linie eben die fotogenen, typischen qualmenden Schornsteine. Sie mußten neben den Autos, Schiffen usw. für quasi jedes elendig sterbende Blatt verantwortlich zeichnen, daneben selbstverständlich auch die gesamte Menschheit, zumindest deren weisser Teil, der ja all die zivilisatorischen Dinge geschaffen hatte und sie der restlichen, gerne 3. Welt genannten Menschheit nichtsahnend weitergegeben hatte. Dieser Teil der Menschheit, der sicherlich um die 90% ausmachte, war selbstverständlich vollkommen unschuldig am Blättersterben, schließlich konnten diese Nichtweissen ja gar nicht abschätzen und absehen, was sie da taten, von daher waren sie nicht nur völlig unschuldig, nein, sie durften auch weitermachen wie bisher, denn sie hätten ja gar nicht verstanden, warum ihr Tun plötzlich schädlich, ja geradezu gefährlich sein sollte.

Als unser oben genannter Politiker ein weiteres Mal vollkommen unerwartet von so einem Gedankenblitz heimgesucht wurde, war das Endergebnis eine später so genannte Laubsteuer für alle Firmen und letztlich auch für alle Bürger.

Jeder Weisse sollte sich dadurch zutiefst schuldig fühlen, jedes geschlagene Jahr für den  Abfall der Blätter verantwortlich zu sein, der Fußabdruck für die vielen Mengen, ja Unmengen an Laub, das nach einstimmiger Meinung der Wissenschaft  hätte gerettet werden können, wenn, ja wenn diese Zivilisation mit all ihren Unannehmlichkeiten nicht wäre.

Da sämtliche Medien Tag & Nacht davon berichteten, ganze Schulen, Kindergärten und Universitäten regelmäßig dafür auf die Straße gingen, war die Mär vom menschengemachten Blättersterben bald in aller Munde.

Gegenstimmen gab es so gut wie keine, schließlich war das Blattsterben, auch global Blättersterben genannt, zu offensichtlich und offenkundig als daß irgendwer es ohne verhöhnt und verspottet zu werden, hätte leugnen können.

Die Menschen liefen demzufolge in den Herbstmonaten noch gedrückter als eh schon durch’s Leben und durch die Straßen und Wälder, weißten sie doch nun ganz gewiß und mit dem düsteren Segen der Wissenschaft verstärkt und bestärkt, daß allein sie für dieses Elend, das sie den Bäumen, ja allen Bäumen weltweit angetan haben, selbst verantwortlich waren und sind und sein werden. Umso schwerer drückte nun auch noch diese Last auf allen Schultern und sie waren mehr als bereit, ja geradezu eifrig bemüht, auch noch ihr letztes Erspartes an diesen weltweiten Fond zur Beendigung des Blättersterbens herzugeben.

Nur ein paar Wenige Privatpersonen – im Volksmund gern auch Idioten genannt – wagten es, biologisch zu argumentieren und zu bedenken zu geben, daß es das Blattsterben schon sehr lange, sogar schon vor Erscheinen der ersten Menschen gegeben habe, aber diese Stimmen, so sie sich überhaupt Verhör verschaffen konnten, wurden sehr schnell von den Medien und der ihr hörigen Masse zum absoluten Schweigen gebracht, es soll sogar Fälle von Lynchjustiz gegeben haben, aber das erzählte man sich nur hinter vorgehaltener Hand, schließlich lebte man damals doch in einer Art Zivilisation, manche pflegten es sogar Demokratie zu nennen, was aber Unsinn und nur Ablenkung war, schließlich waren es ja die Führer, Kanzler, Präsidenten, die die Vorgaben der höheren Mächte ausführten und die hatte eh noch nie jemand zu Gesicht bekommen . . . 

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